Was mir mein Garten bedeutet

Es ist Mittagszeit. Ich gehe mit einem Korb und einem Küchenmesser in der Hand zur Terrassentür hinaus in den Garten. Barfuß balanciere ich über das weiche Gras und weiche den Kleeblüten aus, um nicht auf eine Biene zu treten. Ich bleibe vor meinen Gemüsebeeten stehen und mein Blick schweift über die vielen verschiedenen Gemüsesorten, die hier wachsen. Und direkt passiert etwas in mir. Ich fühle mich erfüllt. Ich atme tief ein. Die warme Sommerluft erfüllt meinen Körper und ich genieße den Anblick. Jedes Mal aufs Neue. 

Ich spüre eine so starke Verbundenheit zu meinem Garten. Er ist für mich Heimat und gibt mir das Gefühl der Vertrautheit. Vermutlich gibt es hier keinen Winkel, den ich noch nicht mit meinen Händen berührt habe, dem ich noch keine Beachtung geschenkt habe. Ich kenne jede Pflanze, ich weiß ganz genau, was wo wächst und habe ein Gefühl dafür, wie es meinen Pflanzen geht und was sie brauchen.

In den letzen Monaten habe ich so viel Liebe und Aufmerksamkeit und Zeit in diesen Garten gesteckt. So gut wie jede freie Minute verbringe ich hier. Vor allem, weil es mir so viel gibt. Es ist viel mehr noch als Ernährung für den Körper. Ich glaube, es ist das Gefühl der Glückseligkeit, das mich erfüllt, es ist Nahrung für die Seele, die ich hier schöpfe, die mich stärkt, wenn ich Zeit in meinem Garten verbringe. 

Hier ist mein Kraftort. Hier erde ich mich im wahrsten Sinne des Wortes. Hier tanke ich Energie, hier habe ich Ruhe und den Ausgleich, den ich brauche. Die Gartenarbeit verändert so vieles in mir. Jedes Frühjahr fühlt es sich so an, als würden nicht nur die jungen Pflanzentriebe ihre Wurzeln tief in die Erde schieben und sich fest verankern und wachsen. Sondern auch ich tue es ihnen gleich. Auch ich verankere einen Teil von mir in dieser Erde, tanke Lebensenergie in meinen Gemüsebeeten und wachse. Ich wachse in mir, werde kreativ und fröhlich. Jedes Jahr aufs neue.

Dazu kommt die Sonnenenergie, die ich aufnehme. Es ist ein bisschen so, als würde ich hier aufgeladen werden, um genug Sonne in mir zu tragen für die kalte und dunkle Jahreszeit. Und tatsächlich habe ich auch jedes Jahr nach dem Winter das Gefühl, als würden meine Zellen ganz dringend wieder den Garten brauchen, um neu beladen zu werden. Als würden sie sich nach der Erde, der Luft und den Sonnenstrahlen sehnen.

Rote Beete Smoothie

Wenn der Start einer neuen Gartensaison kurz bevor steht, macht sich eine kribbelnde Vorfreude ich mir breit. Und wenn es dann endlich so richtig los geht, gibt es für mich kein Halten mehr. Es ist, als würde eine wahnsinnige Kraft in mir zappeln und frei werden. Und dann wirbele ich herum und es kann schon mal passieren, dass ich alles rechts und links von mir vergesse, weil ich so vertieft und so voller Enthusiasmus bin. 

Ja und nun stehe ich hier mit meinem Korb und meinem Küchenmesser und erfreue mich jedes Mal an dieser Freiheit, die ich mir durch meine Gartenarbeit geschaffen habe. Die Freiheit aus den Vollen zu schöpfen. Klar, ich könnte auch in den Supermarkt gehen und mich an der prall gefüllten Gemüsetheke bedienen. Aber das ist nicht das Gleiche. Denn mit jedem Gemüse, das ich hier ernte, ernte ich auch ein Stück aus unserer Erde, ein Stück Begeisterung, ein Stück Zufriedenheit und ein Stück Ehrfurcht und eben eine große Portion Glückseligkeit. Das ist das größte Lebensgefühl, was mich erdet, mich mit der Natur verbindet und sie auch fühlen lässt, was nährt und glücklich macht.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.